Leiterplatten ohne 'nasschemische' Durchkontaktierungen

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Leiterplatten ohne 'nasschemische' Durchkontaktierungen

Beitragvon Dianu » Freitag 17. Februar 2006, 00:08

Fall 1:
Wenn man die zweite Seite auch fuer Bahnen braucht (meist bei Digitalschaltungen), dann benutze doch einfach IC-Einzelkontakte anstatt IC-Sockel - und schon kommt man bequem an alle Seiten mit der Loetkolbenspitze ran. Nur zur Stabilisation beim Loetvorgang eine IC-Einzelreihe aufstecken und dann die Einzelpins von oben und unten anloeten.

Als Bild mal ein aelteres Werk von mir aus den 80ern (vor_Eagle_Zeitalter):

B i l d 1

B i l d 2
Zuletzt geändert von Dianu am Freitag 17. Februar 2006, 10:22, insgesamt 3-mal geändert.
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Fall2: zweiseitig, aber Oberseite nur Masse

Beitragvon Dianu » Freitag 17. Februar 2006, 10:12

Fall 2
Das ist meine liebste Spielart:
das Layout ist noch nicht soo komplex und laesst sich deshalb prima aufloesen, wenn man nur die Massebahnen auf die zweite Seite (=Oberseite) 'verbannt'. Aus den Massebahnen wird dann eine Masseflaeche.
Man braucht dann noch nicht einmal die Oberseite nasschemisch zu behandeln, sondern man nimmt sich einfach einen Bohrer D=2,4mm und bohrt die Stellen leicht an, wo der Bauteilepin isoliert zur Masse sein muss. Mit der Methode lassen sich auch ganze ICs 'freibohren'!
Es gibt da auch ein Handwerkzeug dafuer, welches eigentlich fuer die Lochrasterplatten gedacht ist.
Natuerlich muss beim Aetzen der Unterseite die Gegenseite geschuetzt bleiben (Kratzer etc. vermeiden).
Damit man sich das besser vorstellen kann, wieder ein Bild.
Ausserdem liegt dieses Handwerkzeug noch daneben.

Weiterhin ist dort noch eine 'Prototypentechnik' zu sehen:
es gibt Buchsenleisten, in die man bequem standard Bauteile stecken kann. Das Stecken geht natuerlich schneller, als immer wieder aus -und Einloeten.
PSpice war in den 80ern unerschwinglich, wenn es das da schon ueberhaupt gab.

B i l d
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Fall 3: mehr als zwei Lagen

Beitragvon Dianu » Freitag 17. Februar 2006, 11:48

Fall 3
In Sonderfaellen kann man sogar noch mehr als zwei Lagen leicht realisieren!
Ein haeufig vorkommender Fall ist die bipolare Versorgung von Operationsverstaerkern, meist +- 12...15 Volt.
Wenn man viele OPs hat, dann wird die ganze Sache sehr empfindlich, da sich die OPs gerne gegenseitig zum Schwingen anregen. Layoutfehler werden dort sofort bestraft.
Man kann beispielsweise die Oberseite der Leiterplatte als Masseflaeche auslegen, die Unterseite fuer die Signalbahnen und die beiden Versorgungsspannungen ueber "Telegrafenmasten" direkt an die betreffenden Pins der OPs fuehren, wenn diese hintereinander gruppiert werden.
Die Masten sind standard Steckzungen 2,8 x 0,8 mm, durch das kleine Loch wird ein blanker Schaltdraht gezogen und verloetet.
Fuer den Anfaenger:
wie kriege ich den Schaltdraht von der Rolle so schoen gerade? Antwort: nimm ein Stueck Draht davon, spanne ein Ende fest in den Schraubstock und ziehe am anderen Ende so feste, dass sich der Draht leicht dehnt (wenige mm reichen aus). Der Draht wird dadurch schnurgerade wie ein Lineal :)
Fuer die Serienfertigung:
statt der arbeitsintensiven Draht_in_Steckzungen_Loeterei kann man sich auch isolierte Stromschienen besorgen (aehnlich wie die Schienen fuer Drehstrom, die von Elektrikern gerne benutzt werden). Die isolierten Stromschienen fuer die Elektronik gibt es in verschiedenen Laengen und mit verschieden Pinabstaenden, welches man beim Layouten natuerlich beruecksichtigen muss.
Ausserdem ist die Isolationsschicht so duenn und mit einem Dielektrikum ausgefuehrt, sodass sich auch noch ein hochwertiger Abblockkondensator durch diese Technik ergibt.
(Es kann auch sein, dass es diese Stromschienen nicht mehr gibt :?: )

Ein echtes Beispiel habe ich nicht mehr, aber zur Demo etwas hab ich gerade etwas zusammengesteckt:

B i l d
Liebe Gruesse

Dianu


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